Falsche Fuffziger ?

Schärfe ist nicht alles , aber ohne Schärfe ist alles nichts.  Sicher, es gibt eine ganze Reihe an Faktoren die bei der Objektivwahl eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen und dennoch spielt für mich persönlich gerade an den sehr hoch auflösenden Kameras die subjektive Schärfe eine nicht unwesentliche Rolle.

Das 1,4er und auch das 1,8er Nikkor (neuster Bauart) stellten an meinen Kameras bis 24 MP Auflösung stets das Maß der Dinge in Puncto Schärfenleistung dar.  Doch durch meine Sammelleidenschaft alter Objektive, vorwiegend im weitwinkligen Bereich, und dem Umstieg auf noch höher auflösende Kameras erlebte ich hier und da durchaus angenehme Überraschungen aus dem sogenannten Altglascontainer.

Gerade Modelle aus den frühen 70er und 80er Jahren liefern an den hochauflösenden Sensoren beachtliche Leistungen. So zum Beispiel das 80mm Biometar f2,8 steht den neuzeitlichen 80mm Nikkor Gläsen in Sachen Schärfeleistung in nichts nach, natürlich ohne den heute gebotenen Komfort von Autofokus und Bildstabilisator-Funktionen.

Und so vergleiche ich heute einmal eine Auswahl an 50mm Objektiven auf die reine wahrgenommene Schärfeleistung, die auch an neusten Megapixelboliden beeindruckend gute Resultate liefern. Natürlich ist dies kein technisch wissenschafticher Labortest mit exakt gemessener Leistung sondern vielmehr eine persönliche Einschätzung nach zahlreichen Aufnahmen im Portrait- und Landschaftsbereich sowie meinen subjektiven Empfindungen .  Und ganz gewiss stellen diese Objektive keine Lösung für rationale Dauerfeuerfotografen dar sondern eine Alternative für entschleunigtes und bewusstes fotografieren.

Die Kandidaten sind:

Carl Zeiss  Pancolar 50mm f 1,8

Asahi SMC Takumar 50mm f1,4

Minolta RokkorPF 50mm f1,7

und das Nikkor AF 50mm f1,4 (Autofokus)

 

Das Pancolar 50mm f1,8

Anfangen möchte ich mit dem Pancolar 50mm f 1,8 aus dem Hause Carl Zeiss, eines meiner absoluten Lieblingsobjektive im 50mm Bereich. Das Pancolar liefert eine beeindruckende Schärfe bis fast an die Sensorränder und bildet zugleich Farben kräftig und satt ab. Der Schärfeverlauf ist ruhig und gleichmäßig . Die Verarbeitung ist ordentlich und mit den Plasikobjektiven heutiger Massenproduktion nicht zu vergleichen. Neben Blenden- und Fokusring besitzt das Pancolar  noch eine Abblendtaste die beim fokusieren in dunkleren Umgebungen und Einsatz von Blitzlicht sehr hilfreich ist. Bereits ab Blende 2,8 ist dieses Objektiv sehr scharf und erreicht ab Blende 5,6 eine beeindruckende Schärfeleistung, welche bis Blende 22 noch geringfügig ansteigt.   Kann man bei Portraits dem Portraitierten etwas näher auf die Pelle rücken und bringt die nötige Ruhe zum fokusieren mit,  liefert das Pancolar auf einem Stativ , ja das setze ich hin und wieder gerne ein, extrem gute Aufnahmen welche insbesondere auch dann wenn man offenblendig fotografiert einen harmonischen Schärfeverlauf wie es kein neuzeitliches 50mm Objektiv liefert. Mit dem Adapter von Beshoi ist auf Nikon Kameras ein fokusieren auf unendlich möglich. Die Farbwiedergabe ist harmonisch ohne besonders aufdringlich zu wirken, auch wenn die Farben insgesamt etwas blasser sind als beispielsweise beim Takumar. Das Pancolar besitzt 6 Blendenlamellen , was vielleicht bei den Bokeh-Fetischisten nicht ganz so gut rüberkommt, dennoch ist das Pancolar 50mm eine echte Alternative auch bei Landschafts- und Portraitaufnahmen.

Das Takumar 50 f1,4

Ein ausgesprochener Liebling in meiner 50er Sammlung , das SMC Takumar 50mm f1,4.  Eine Meisterstück japanischer Objektivbaukunst. Angeblich kommt der Ausdruck ‚tak sharp‘, also Tak-scharf‘ von diesem Objektiv.  Die Lichtstärke von f1,4 in verbindung  mit der Blendentaste erlaubt auch in kritisschen Situationen ein präzises fokusieren. Mein Super Tak ist Baujahr 1971 und von den normalen Tak’s (1967-1969) an den 8 Blendenlamellen zu erkennen. es befindet sich in einem perfekten Zustand. Fokus- und Blendenring laufen dank einer speziellen Kupferlegierung auch kanpp 50 Jahre nach der Herstelle butterweich mit einem angenehmen knackigen Blendenraster. Im Gegensatz zum Pancolar beginnt bei dem Tak die wirklich wahrnehmbare hohe Schärfeleistung bereits ab Blende 2,8 und erreicht bei Blende 16 eine absolute Traumschärfe. Farben bildet das Tak satt und natürlich ab, die Farben wirken etwas kräftiger als alle anderen hier verglichene Objektive.  Eine Traumlinse welche incl. Orig. Front- und Rückendeckel sowie einem schmucken Lederköcher für ab 150.-€  in perfektem Zustand zu haben ist. In den einschlägigen Pentax Foren habe ich bislang noch keinen einzigen negativen Bericht vernehmen können und kann ebenfalls keinerlei Tadel an dieser legendären Linse finden. Von den hier uns da zitierten radioaktiven Eigenschaften ist objektiv gesehen lediglich bei einem Glasbruch ein gewisses Risiko vorhanden, da dem Glas das Material Thorium im Herstellungsprozess hinzugefügt wurde.

Das Minolta Rokkor 50mm f1,7

Das Solide gebaute , wuchtige 50er Rokkor (hier Baujahr zw. 1973 und 1976) ist ein damaliges „Immerdrauf“ Objektiv mit soliden Leistungen wie einer guten Schärfe und ebenfalls satten Farben, ohne jedoch in Sachen Leistung wirklich hervorzutreten. Leider kann ich bislang das Objektiv nur im Studio nutzen, ein fokusieren auf unendlich ist mit dem K&F Koncept Adapter leider auch mit Ausgleichlinse nicht möglich ! Im Studio überzeugen besonders die Farben, welche knackig dargestellt werden. Das Objektiv ist in dem mir zur Verfügung stehenden Fokusbereich in der Schärfeleistung in etwa dem  50mm Autofokus 1,8 G neuster Baureihe vergleichbar und deshalb kein schlechtes Glas, aber eben auch für meine Zwecke (Portrait – Landschaft ) nicht mit dem Tak und den CZJ vergleichbar.

Das Nikkor 50mm f1,4 AF   D 

Die wirklich Beeindruckende Eigenschaft dieser eigentlich nicht direkt vergleichbaren Linse ist die enorme Lichtstärke und die hohe Abbildungsleistung auch bei etwas höheren ISO Zahlen.  Durch den Autofokus auch eine sehr gute Wahl bei abendlichen Aufnahmen mit wenig oder ungünstigen Lichtumgebungen. Hier verrichtet das Nikkor eine tadellose Leistung, wenngleich in der für mich so oft zitierten Schärfeleistung nicht ganz so scharf abbildend wie das TAK und das CZJ. Im Gegensatz zu den beiden entfaltet das Nikkor seine  Schärfeleistung erst ab Blende 8 wirklich merklich  und steigert sich dann bis zur max. Blende 16 noch ein wenig.Die Farben sind harmonisch , aber nicht aufdringlich und insgesamt etwas flacher und blasser als bei den beiden verglichenen TAK und CZJ Linsen. Dennoch ein tolles Objektiv und insbesondere bei Abend- Nacht oder Aufnahmen ohne Blitzlich eine sehr gute Wahl aus dem Bestand der Altglasvitrine.

Pancolar 50mm bei f5,6
Pancolar 100% Vergrößert
Takumar 50mm bei f5,6
Takumar 100%
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